Inside Passage Kanada – BC Ferries spektakulärste Küstenroute
von Peter Wolf
Zuletzt aktualisiert am: 18-Sep.-2026
Lesezeit: ca. 18 Min

Die MV Northern Expedition gleitet durch die geschützten Gewässer der Inside Passage in British Columbia – eine Küstenlandschaft aus Inseln, Fjorden und dichtem Regenwald, die zu den spektakulärsten maritimen Regionen Kanadas zählt. Bild : ©BC Ferries
Mit der Fähre durch die Inside Passage – Kanadas spektakulärste Küstenreise
Von oben betrachtet wirkt die Fähre fast klein in der weiten Landschaft. Die Northern Expedition zieht eine schmale weiße Spur durch das dunkle Wasser des Pazifiks, während bewaldete Inseln und steile Küstenberge langsam vorbeiziehen. Es ist ein Anblick, der die Essenz der wilden Küste von British Columbia einfängt – und der Beginn einer der beeindruckendsten Reisen Kanadas.
Am abgelegenen nördlichen Rand der Provinz, wo dichter Regenwald auf den kalten Pazifik trifft und Inseln bis zum Horizont verstreut liegen, beginnt in der kleinen Hafenstadt Prince Rupert diese besondere Reise. Hier steigen Reisende nicht einfach auf eine Fähre, um eine Strecke über das Wasser zurückzulegen. Stattdessen verbringen sie einen ganzen Tag damit, sich langsam durch eine der wildesten Küstenlandschaften Nordamerikas zu bewegen.
Die Route ist als Inside Passage bekannt – ein Labyrinth aus Fjorden, schmalen Kanälen, bewaldeten Inseln und abgelegenen Küstengemeinden entlang der Pazifikküste Kanadas. Anders als bei klassischen Seereisen hinaus auf den offenen Ozean führt diese Strecke durch geschützte Wasserstraßen, in denen Berge direkt aus dem Meer aufsteigen und die Küste oft zum Greifen nah erscheint.
Die folgende Karte zeigt die Fährroute durch die Inside Passage zwischen Prince Rupert und Port Hardy.

Die Fährroute der Inside Passage verläuft durch ein geschütztes Netz aus Küstenkanälen zwischen Prince Rupert und Port Hardy und verbindet abgelegene Gemeinden entlang der Pazifikküste von British Columbia. Bild : ©Peter Wolf / Destination British Columbia
Inside Passage – Kurzüberblick der Route
Strecke: Prince Rupert → Port Hardy
Distanz: etwa 500 km
Fähre: MV Northern Expedition (BC Ferries)
Dauer: ungefähr 15 Stunden (Tagfahrt)
Highlights: Grenville Channel, Butedale Cannery
Tierwelt: Buckelwale, Seelöwen, Weißkopfseeadler
Die Fähre, die Passagiere durch diese außergewöhnliche Küstenlandschaft bringt, ist die MV Northern Expedition, das Flaggschiff der nördlichen Flotte von BC Ferries. Das Schiff wurde 2009 in Deutschland gebaut, ist 151 Meter lang und bietet Platz für 638 Passagiere und Besatzungsmitglieder sowie 115 Fahrzeuge. Entwickelt für die langen Küstenrouten von British Columbia, verbindet es die Funktion einer wichtigen Verkehrsverbindung mit dem Gefühl einer kleinen Küstenkreuzfahrt.
Für Reisende, die sich Sorgen über Seegang machen, ist diese geschützte Lage oft eine angenehme Überraschung. Selbst Menschen, die normalerweise schnell seekrank werden, erleben die Fahrt meist als erstaunlich ruhig. Die Fähre gleitet zwischen dunklen Wäldern und steilen Küstenbergen dahin, während sich die Landschaft Stunde um Stunde verändert.
Es ist eine Reise, bei der sich die Kulisse niemals wirklich wiederholt.

Der geschützte Hafen von Prince Rupert bildet das nördliche Tor zur Inside Passage. Von hier starten die Fähren zur langen Küstenreise nach Süden, während in der Ferne gelegentlich Kreuzfahrtschiffe auf dem Weg nach Alaska vorbeiziehen. Bild : ©Northern BC Tourism/Marty Clemens
Prince Rupert – Tor zur Inside Passage
Prince Rupert liegt am nördlichen Rand der Pazifikküste von British Columbia. Die kleine Hafenstadt wurde auf Kaien Island gebaut und ist von bewaldeten Bergen und offenem Meer umgeben. Trotz ihrer überschaubaren Größe spielt sie seit langem eine wichtige Rolle als Küstenhafen, in dem sich Fischereiboote, Frachtschiffe, Fähren und gelegentlich auch Kreuzfahrtschiffe den tiefen Naturhafen teilen.
Wer aus dem Landesinneren von British Columbia hier ankommt, bemerkt den Unterschied meist sofort. Die Luft riecht nach Salz und Zedernholz, und das Klima wechselt zu jener kühlen, feuchten Atmosphäre, die typisch für die nordpazifische Küste ist.
Und ja – es regnet hier häufig. Mit mehr als 2.500 Millimetern Niederschlag pro Jahr gilt Prince Rupert als eine der regenreichsten Städte Kanadas. Tiefe Wolken ziehen über den Hafen und hängen an den umliegenden Bergen, was der Stadt eine ruhige, fast mystische Stimmung verleiht, die untrennbar mit dieser Küstenlandschaft verbunden ist.
Für Reisende, die die Inside Passage erleben möchten, ist es meist sinnvoll, bereits am Vorabend anzureisen und eine Nacht in Prince Rupert zu verbringen. Die Fähren sind beliebt und das Boarding beginnt früh am Morgen. Wer schon am Vortag ankommt, kann in Ruhe die Hafenpromenade erkunden, Fischereiboote beobachten, die am Abend zurückkehren, und am nächsten Morgen entspannt zur Fähre aufbrechen.

Die komfortablen Passagierlounges an Bord der MV Northern Expedition bieten große Panoramafenster und ruhige Plätze zum Entspannen während der langen Fahrt durch die Inside Passage von British Columbia. Bild: ©Peter Wolf
Boarding der Northern Expedition
Kurz nach Sonnenaufgang beginnt am Fährterminal langsam Bewegung. Fahrzeuge stellen sich in langen Reihen auf, während sich Passagiere im Terminalgebäude versammeln – viele mit einem Kaffee in der Hand.
Wenn das Boarding beginnt, läuft alles ruhig und effizient ab. Fahrzeuge rollen langsam auf das offene Fahrzeugdeck, während Passagiere über die Gangways zu den großzügigen Passagierbereichen an Bord gelangen.
Im Inneren säumen große Panoramafenster die Decks und eröffnen weite Blicke auf die Küstenlandschaft. Bequeme Sitzbereiche laden dazu ein, es sich für die lange Fahrt gemütlich zu machen, während Cafés Kaffee, Frühstück und kleine Mahlzeiten anbieten. Viele Reisende zieht es jedoch schon bald nach draußen – angelockt von der frischen Seeluft und der Aussicht auf die Landschaft, die vor ihnen liegt.
Dann vertieft sich das Brummen der Motoren. Die Festmacherleinen werden gelöst, der Hafen öffnet sich langsam, und die Northern Expedition beginnt ihre Reise nach Süden – fast 500 Kilometer durch die wilden Küstengewässer der Inside Passage.

Tiefe Wolken hängen über dem Küstenregenwald, während die Spur der Fähre langsam im ruhigen Wasser der Inside Passage von British Columbia verschwindet. Bild: ©Peter Wolf
In die Inside Passage
Anders als bei vielen Seereisen, die hinaus auf den offenen Ozean führen, bleibt die Route durch die Inside Passage über weite Strecken geschützt. Die Fähre schlängelt sich durch ein Netzwerk aus schmalen Kanälen, das von unzähligen Inseln abgeschirmt wird. Steile Berge steigen direkt aus dem Meer auf, und die Küste wirkt oft überraschend nah.
Dichter Küstenregenwald bedeckt die Berghänge, unterbrochen von Wasserfällen oder blanken Felswänden, die einst von Gletschern geformt wurden. Unter dem bleigrauen Himmel, der für diese Pazifikküste so typisch ist, spiegelt das Wasser die gedämpften Farben von Wald und Bergen wider. Die Landschaft wirkt zugleich kraftvoll und still abgelegen.
Diese geschützte Lage sorgt auch dafür, dass das Wasser meist ruhig bleibt. Selbst Reisende, die sonst schnell seekrank werden, empfinden die Fahrt häufig als erstaunlich sanft. Die Fähre gleitet gleichmäßig zwischen dunklen Wäldern und zerklüfteter Küste dahin, während sich die Landschaft Stunde um Stunde verändert.
Und hin und wieder wird die ruhige Wasseroberfläche plötzlich durchbrochen.
Passagiere eilen zur Reling, sobald jemand eine Sichtung ruft. Ein gewaltiger Wal taucht unweit des Schiffes auf, sein dunkler Körper wölbt sich über die Oberfläche, bevor er mit einem gewaltigen Aufprall wieder im Meer verschwindet. Solche Momente lassen sich nicht planen, doch Begegnungen mit Buckelwalen, Delfinen oder Seelöwen gehören entlang dieser Küste durchaus zum Erlebnis.
Es ist eine Erinnerung daran, dass die Inside Passage bis heute eine lebendige Wildnis geblieben ist.
Mehrere Stunden nach der Abfahrt verändert sich die Landschaft schließlich deutlich, als die Fähre einen der spektakulärsten Abschnitte der Route erreicht.

Ein einsamer Fels ragt aus dem dunklen Wasser des Grenville Channel, wo steile Küstenberge und dichter Regenwald eine der eindrucksvollsten Landschaften entlang der Inside Passage in British Columbia bilden. Bild: ©Peter Wolf
Grenville Channel – Ein Korridor aus Wasser und Bergen
Mehrere Stunden nach der Abfahrt erreicht die Fähre einen der eindrucksvollsten Abschnitte der gesamten Route: den Grenville Channel.
Hier verengt sich die Landschaft zu einem steilen Korridor zwischen den Küstenbergen. An manchen Stellen ist der Kanal kaum mehr als einen Kilometer breit, während das Wasser unter dem Schiff überraschend große Tiefen erreicht. Die Northern Expedition gleitet ruhig durch diese fjordartige Passage, ihre Spur zieht sich wie ein weißer Faden über das dunkle Wasser.
Von den Außendecks aus wird das Ausmaß dieser Landschaft besonders deutlich. Bewaldete Berghänge steigen fast direkt aus dem Meer auf und führen hinauf zu Nebel verhüllten Gipfeln. Nach starken Regenfällen erscheinen plötzlich Wasserfälle an den Felswänden, während der dichte Küstenregenwald wirkt, als sei er von Straßen oder Siedlungen völlig unberührt.
Viele Passagiere werden hier still. Sie lehnen sich an die Reling und beobachten, wie die Berge langsam vorbeiziehen. Es ist einer jener seltenen Orte, an denen moderne Fortbewegung durch eine Landschaft führt, die noch vollkommen wild wirkt.

Eine kurze Auflockerung im Nebel gibt den Blick auf das Ivory Island Lighthouse frei. Seit mehr als einem Jahrhundert weist sein Licht Schiffen den Weg durch die komplexen Wasserstraßen der Inside Passage an der Küste von British Columbia. Bild: ©Peter Wolf
Geisterorte der Küste – Butedale und Swanson Bay
Weiter südlich tauchen entlang der Küste Spuren der industriellen Vergangenheit von British Columbia auf.
Einer der faszinierendsten Orte entlang der Route ist Butedale, eine ehemalige Cannery-Siedlung, die in einer schmalen Bucht auf Princess Royal Island liegt. Die abgelegene Anlage wurde 1918 gegründet und verarbeitete Lachs, während eine angeschlossene Anlage Fischreste zu Fischmehl und Öl verarbeitete. Während der intensiven Fangzeiten entstand hier eine kleine, aber geschäftige Gemeinschaft.
Auf dem Höhepunkt lebten und arbeiteten mehrere hundert Menschen in Butedale. Versorgungsschiffe brachten regelmäßig Lebensmittel und Material, während die Fabrik während der Lachssaison oft rund um die Uhr in Betrieb war – eine Zeit, in der der Fischfang das Leben entlang dieser Küste prägte.
Heute stehen die Gebäude still und vom Wetter gezeichnet am Ufer. Einstürzende Wände, rostende Strukturen und verfallene Stege klammern sich an die Küstenlinie, während der Regenwald langsam zurückerobert, was einst industriell genutzt wurde. Vom Deck der Fähre wirkt die verlassene Cannery fast geisterhaft – eine stille Erinnerung daran, wie abgelegen und anspruchsvoll das Leben an dieser rauen Pazifikküste einst war.
Nicht weit entfernt liegt Swanson Bay, eine weitere ehemalige Industriesiedlung. Von ihr sind heute kaum mehr als einige Pfahlreste und die vagen Umrisse früherer Gebäude zu erkennen. Hier befand sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Zellstofffabrik, die jedoch nur kurze Zeit betrieben wurde, bevor sie aufgegeben wurde und der Wald das Gelände zurückeroberte.
Diese stillen Überreste, die oft nur kurz zwischen den Bäumen sichtbar werden, geben flüchtige Einblicke in ein Kapitel der Küstengeschichte, das inzwischen weitgehend wieder in der Wildnis verschwunden ist.

Die Überreste der Butedale Cannery auf Princess Royal Island wirken unter dem grauen Himmel der Inside Passage fast geisterhaft. Die Anlage wurde 1918 gegründet und verarbeitete Lachs sowie Fischreste zu Öl und Mehl. Während der Fangzeiten lebten hier mehrere hundert Arbeiter. Als der Betrieb Mitte der 1950er-Jahre eingestellt wurde, verschwand die Siedlung langsam – zurück blieben verwitterte Gebäude und alte Stege, die heute vom Regenwald zurückerobert werden. Bild : ©Peter Wolf
Boat Bluff Lighthouse – Die Mitte der Reise
Etwa auf halber Strecke der Fahrt passiert die Fähre das Boat Bluff Lighthouse, das auf der südlichen Spitze von Sarah Island steht.
Der Leuchtturm wurde 1907 errichtet und markiert die Einfahrt in den Tolmie Channel, eine der zahlreichen schmalen Wasserstraßen, die zusammen die Inside Passage bilden. Die kleine Gruppe von Gebäuden mit ihren roten Dächern hebt sich deutlich von der rauen Küstenlandschaft ab – ein einsamer Außenposten, der seit über einem Jahrhundert über die Schifffahrt entlang der Küste von British Columbia wacht.
Schon lange bevor moderne Navigationssysteme existierten, spielten solche Leuchtturmstationen eine entscheidende Rolle für die sichere Navigation entlang der Inside Passage. Leuchtturmwärter führten Schiffe durch Nebel, Dunkelheit und die komplexe Geografie der Küstenkanäle.
Auch heute, im Zeitalter von Satellitennavigation und Radar, sind diese Lichter weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Route – stille Orientierungspunkte entlang einer der anspruchsvollsten Küstenlandschaften Nordamerikas.
Während die Fähre am Leuchtturm vorbeigleitet und ihre Fahrt nach Süden fortsetzt, windet sich die Route weiter durch die verschlungenen Wasserwege der Küste.

Auf der südlichen Spitze von Sarah Island steht das Boat Bluff Lighthouse, das seit 1907 Schiffen den Weg durch die Inside Passage weist. Die roten Dächer der Gebäude bilden einen starken Kontrast zum dunklen Himmel und zur rauen Küstenlandschaft – ein einsamer Außenposten entlang einer der wichtigsten maritimen Routen von British Columbia. Bild : © Peter Wolf
Bella Bella – Leben entlang der Passage
Nicht jeder Ort entlang der Route gehört nur der Vergangenheit an. Die Fähre verbindet auch mehrere lebendige Küstengemeinden, und eine der wichtigsten davon ist Bella Bella.
Der Ort liegt an der zentralen Küste von British Columbia und ist die Heimat der Heiltsuk First Nation. Bis heute ist Bella Bella ein bedeutender Standort für Fischerei, maritime Transporte und kulturelle Traditionen entlang der Pazifikküste. Für viele kleine Gemeinden, die über Inseln und abgelegene Buchten der Inside Passage verteilt sind, stellt die Fähre eine unverzichtbare Verbindung zum Rest der Provinz dar.
Wenn sich die Northern Expedition dem Hafen nähert und langsamer wird, versammeln sich viele Passagiere an der Reling, um das kurze Schauspiel der Ankunft zu beobachten. Fahrzeuge rollen von Bord oder auf das Schiff, Fracht wird verladen, und einige wenige Reisende steigen ein oder aus, bevor die Fähre ihre Fahrt nach Süden fortsetzt.
Diese kurzen Zwischenstopps erinnern daran, dass die Inside Passage nicht nur eine spektakuläre Reiseroute ist – sondern auch ein wichtiger Verkehrsweg, der die abgelegenen Gemeinden entlang der rauen Küste von British Columbia miteinander verbindet.

Sonnenlicht bricht durch die Küstenwolken über dem Scarlett Point Lighthouse auf Balaklava Island. Die kleine Station markiert den nördlichen Eingang zur Inside Passage nahe Prince Rupert und weist Schiffen den Weg zu ihrer langen Reise durch die Küstengewässer von British Columbia. Bild:©Peter Wolf
Tierwelt entlang der Passage
Während der Fahrt richten viele Passagiere ihren Blick ebenso häufig auf das Wasser wie auf die Berge.
Die Inside Passage ist reich an Meeresleben, und Tierbeobachtungen gehören zu den stillen Höhepunkten der Reise. Weißkopfseeadler kreisen über den bewaldeten Küstenhängen und beobachten das Wasser unter ihnen, während sich Seelöwen auf felsigen Vorsprüngen sammeln, die zwischen den Inseln nur kurz sichtbar werden.
Und dann, manchmal, erwacht das Meer plötzlich zum Leben.
Buckelwale sind in diesen nährstoffreichen Gewässern häufig anzutreffen, besonders im nördlichen Abschnitt der Route nahe Prince Rupert. Oft sehen Passagiere zunächst nur den breiten Rücken eines Wals, der langsam durch das Wasser rollt, bevor sich die charakteristische Fluke hoch aus dem Meer erhebt und wieder unter der Oberfläche verschwindet.
Manchmal wird der Moment noch spektakulärer. Ein Wal kann seinen massigen Körper vollständig aus dem Wasser katapultieren, bevor er mit einem gewaltigen Aufprall wieder in die See stürzt – ein Anblick, den niemand vergisst, der gerade an der Reling der Fähre steht.
Solche Begegnungen lassen sich nicht planen. Doch genau diese Unvorhersehbarkeit macht die Fahrt durch die Inside Passage zu weit mehr als nur einer Fährüberfahrt – sie fühlt sich an wie eine Reise durch eine lebendige Wildnis.

Eine kleine Gruppe von Buckelwalen taucht nahe Prince Rupert auf. Ihre mächtigen Fluken heben sich kurz über das Wasser, bevor sie wieder in den dunklen Pazifik eintauchen – Begegnungen wie diese gehören zu den eindrucksvollen und gar nicht so seltenen Momenten entlang der Inside Passage. Bild:©Northern BC Tourism/Christie Fitzpatrick
Leben an Bord während der langen Überfahrt
Während draußen die Landschaft langsam vorbeizieht, entwickelt sich an Bord der Northern Expedition im Laufe des Tages ein ruhiger Rhythmus.
Passagiere wechseln zwischen den Außendecks und den großzügigen Innenlounges, Kameras griffbereit. Manche bleiben bei einem zweiten Kaffee in einem der Cafés sitzen und beobachten durch die großen Fenster die vorbeiziehende Küstenlandschaft. Andere machen es sich in den bequemen Sitzen mit einem Buch gemütlich und schauen nur dann auf, wenn irgendwo an Deck eine neue Wildtiersichtung ausgerufen wird.
Da die Reise durch die Inside Passage fast den ganzen Tag dauert — rund fünfzehn Stunden von Prince Rupert bis Port Hardy — schätzen viele Reisende einen besonders ruhigen Platz zum Entspannen. Neben den allgemeinen Passagierlounges bietet das Schiff dafür mehrere komfortable Möglichkeiten.

Die Aurora Lounge an Bord der Northern Expedition bietet reservierte Ledersessel und große Panoramafenster nach vorn — ein ruhiger Ort, um die Landschaft der Inside Passage entspannt zu genießen. Bild:©BC Ferries
So können auch auf Tagesfahrten private Kabinen reserviert werden, in denen man sich zwischendurch zurückziehen oder einfach eine Weile ausruhen kann. Auf den seltenen Nachtfahrten entlang dieser Route gehören Kabinen ohnehin zum Standard, doch auch während der Tagespassage wissen viele Gäste diesen zusätzlichen Komfort zu schätzen.
Eine weitere beliebte Option ist die Aurora Lounge, ein reservierter Premiumbereich im vorderen Teil des Schiffes. Diese ruhige Lounge mit Schlüsselzugang steht auf den Inside-Passage-Fahrten zwischen Mai und September zur Verfügung und bietet großzügige, verstellbare Ledersitze sowie beeindruckende Panoramafenster mit freiem Blick auf die Küste voraus.
Darüber hinaus verfügt die Northern Expedition über die Raven Lounge, in der gelegentlich Filme gezeigt werden, sowie über das Vista Restaurant, das während der Sommersaison Buffetgerichte anbietet. Zusammen mit mehreren Cafés und den weitläufigen Außendecks gibt es an Bord viele Möglichkeiten, die langen Stunden der Reise angenehm zu verbringen.
So fühlt sich die Fahrt weniger wie eine einfache Fährüberfahrt an, sondern eher wie eine entspannte Küstenreise. Anders als bei kurzen Strecken, bei denen Passagiere lediglich auf die Ankunft warten, lädt die Inside Passage dazu ein, den Tag bewusst zu genießen und die Landschaft in aller Ruhe auf sich wirken zu lassen.

Die Raven Lounge an Bord der Northern Expedition bietet halbkreisförmige Sitzreihen und Bildschirme, auf denen während der langen Fahrt durch die Inside Passage gelegentlich Filme gezeigt werden. Bild:©BC Ferries
Ankunft in Port Hardy
Am späten Abend erreicht die Fähre die nördliche Spitze von Vancouver Island, wo die kleine Küstenstadt Port Hardy das südliche Ende der Route durch die Inside Passage markiert.
Nach einem langen Tag auf dem Wasser wirken die ersten Anzeichen von Land fast willkommen. Bewaldete Hügel erheben sich hinter dem Hafen, während die Fähre langsamer wird und sich vorsichtig dem Terminal nähert.
Passagiere kehren zum Fahrzeugdeck zurück und sammeln ihre Sachen, während die Reise langsam ihrem Ende entgegengeht. Fahrzeuge rollen über die Rampe an Land, und schon wenige Minuten später bereitet sich das Schiff, das sie durch Hunderte Kilometer unberührter Küstenlandschaft getragen hat, auf seine nächste Fahrt entlang der Küste vor.
Für viele Reisende gehört die Fahrt durch die Inside Passage zu den eindrucksvollsten Erlebnissen einer Westkanada-Reise. Sie ist weit mehr als nur die Verbindung zwischen zwei Häfen – vielmehr ein ganzer Tag unterwegs durch eine der letzten großen Küstenwildnisse Nordamerikas.
Unter ständig wechselndem Himmel und zwischen unzähligen Inseln gleitet die Fähre ruhig nach Süden. Und wenn die Berge schließlich im Abendnebel verschwinden, wird eines klar: Es gibt wirklich keine andere Reise wie diese.
Nach fast fünfzehn Stunden auf dem Wasser erreicht die Northern Expedition Port Hardy spät am Abend. Zu diesem Zeitpunkt haben die meisten Passagiere bereits einen ganzen Tag damit verbracht, die Küstenlandschaft von Deck oder aus den Lounges zu beobachten – und der Gedanke, anschließend noch lange weiterzufahren, wirkt nur selten besonders verlockend.
Deshalb ist es meist die beste Entscheidung, eine Nacht in Port Hardy zu verbringen. Die kleine Küstenstadt verfügt nur über eine begrenzte Zahl an Hotels und Unterkünften, weshalb eine Reservierung im Voraus dringend empfohlen wird. Wenn die Fähre gegen 23 Uhr anlegt, sind viele Reisende einfach froh, sich auszuruhen und ihre Fahrt über Vancouver Island am nächsten Morgen fortzusetzen.

Ein stilles Detail an Deck der Northern Expedition, der Fähre, die ihren Weg durch die wilden Küstengewässer der Inside Passage in British Columbia nimmt. Bild:©Peter Wolf
Weiterreise durch Westkanada
Von Port Hardy aus führt die Reise weiter nach Süden durch die raue Landschaft von Vancouver Island. Die Straße folgt der Insel durch dichte Wälder, entlang von Flüssen und kleinen Küstengemeinden bis nach Campbell River, Nanaimo und zu den Fährverbindungen im Süden, die zurück auf das kanadische Festland führen.
Andere Reisende nutzen die Route als Teil einer größeren Rundreise entlang der Pazifikküste. Die Fahrt durch die Inside Passage lässt sich hervorragend mit weiteren Entdeckungen in den Bergen, Wäldern und Nationalparks von Westkanada verbinden.
Für viele bleibt jedoch gerade die Passage selbst eines der eindrucksvollsten Erlebnisse der gesamten Reise. Einen ganzen Tag lang langsam durch diese abgelegene Küstenwildnis zu gleiten, eröffnet eine Perspektive auf Kanada, die nur wenige andere Routen bieten.
Und selbst lange nachdem die Fähre angelegt hat und die Straße weiter nach Süden führt, bleiben die stillen Kanäle, die nebelverhangenen Wälder und die fernen Berge der Inside Passage eines der prägendsten Reiseerlebnisse entlang der Pazifikküste Kanadas.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine professionelle Reiseberatung dar. Obwohl dieser Artikel allgemeine Informationen bietet, solltest du dich stets auf die offiziellen Websites verlassen, um die aktuellsten und genauesten Informationen zu erhalten.